Vogelschlag an Glasflächen ist eine der häufigsten Todesursachen für Vögel in Deutschland. Der NABU Jena hat ein selbst entwickeltes Portal vorgestellt, mit dem dieses Problem sichtbar gemacht werden kann. Dieser Vogelschlagmelder sammelt systematisch Daten zu Ort, Datum, Fotos und Fundumständen. Eine vergleichbare Plattform gibt es bisher nicht.
NABU Jena und NABU Leipzig starten Meldeplattform
Die Nutzung ist kostenlos, niedrigschwellig und öffentlich zugänglich. In einem Pilotprojekt führen der NABU Jena und der NABU Leipzig das Portal ein. Meldungen sind über folgende Webseiten möglich:
- NABU Jena: vogelschlag.nabu-jena.de
- NABU Leipzig: vogelschlag.wildvogelhilfe-leipzig.de
Die eingetragenen Daten werden in einer sogenannten Heatmap dargestellt — eine Kartenansicht, die Schwerpunkte hervorhebt. Dadurch lassen sich besondere Gefahrenstellen in der Region erkennen. Die Daten dienen als Grundlage, um ein erhöhtes Tötungsrisiko an Gebäuden nachzuweisen. So können unter anderem Behörden Schutzmaßnahmen zum Vogelschutz anordnen.
Der Vogelschlagmelder als Web-App: Meldungen erfassen und Gefahrenstellen auf der Heatmap erkennen. Screenshots: NABU Jena
„Vogelschlag an Glas ist die häufigste aller Ursachen warum Vögel in Leipzig zum Notfall werden und in unsere Station gebracht werden. Nur wenn wir wissen, wo diese Unfälle auftreten, können wir gezielt handeln, um sie zu vermeiden." — Karsten Peterlein, NABU Leipzig
Mitmachen und etwas bewirken
Vögel erkennen Glas nicht als Hindernis. Spiegelungen von Himmel, Bäumen oder Grünflächen täuschen freie Flugwege vor. Durchsichtige Glasflächen bleiben für sie unsichtbar. Kollisionen führen oft zu inneren Verletzungen oder tödlichen Gehirnerschütterungen. Besonders gefährlich sind große Glasfassaden, verglaste Treppenhäuser und Wartehäuschen.
Jede Meldung von Glaskollisionen hilft, die Orte zu identifizieren und das Glas mit einem Muster für Vögel sichtbar zu machen. Institutionen und Verbände können die Plattform ebenfalls nutzen.
Alarmierende Zahlen aus Leipzig und Jena
Nach einer Hochrechnung der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten sterben in Deutschland jährlich rund 100 bis 115 Millionen Vögel durch Kollisionen mit Glas. Da Glas in der modernen Architektur zunehmend eingesetzt wird, ist von weiter steigenden Zahlen auszugehen.
Regionale Zahlen
- Leipzig: Seit 2014 über 5.100 dokumentierte Glaskollisionen, mehr als 600 verletzte Tiere in der Wildvogelhilfe versorgt — Vogelschlag ist die häufigste Fundursache.
- Jena: Seit 2022 über 330 gemeldete Glaskollisionen — über 20 % aller erfassten Fundumstände und die zweithäufigste bekannte Fundursache.
Neubauten mit großen Glasflächen im Fokus
Der Handlungsbedarf wächst insbesondere durch die zunehmende Zahl von Neubauten mit großflächigen Glasfassaden. Um Behörden zum Handeln zu verpflichten, muss an Gebäuden ein sogenanntes signifikant erhöhtes Tötungsrisiko nachgewiesen werden. Genau hier setzt die neue Plattform an: Sie liefert die Datengrundlage für Nachrüstungen und behördliche Anordnungen.
Meldungen aus der Bevölkerung sind entscheidend
Nur wenn bekannt ist, wo und wie häufig Vogelschläge auftreten, kann man gezielt gegensteuern. Deshalb richtet sich die App ausdrücklich an die gesamte Bevölkerung. Jede Meldung mit Foto, Datum und Ort hilft, gefährliche Glasflächen zu identifizieren und langfristig zu entschärfen.
Freiwillige für wissenschaftliches Monitoring gesucht
Neben der Nutzung der Plattform suchen die NABU-Gruppen Freiwillige, die sich an einem wissenschaftlichen Monitoring beteiligen möchten. Ehrenamtliche kontrollieren bekannte Gefahrenstellen, dokumentieren Funde und leisten damit einen unverzichtbaren Beitrag zum Vogelschutz.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Vogelschlag ist ein menschengemachtes Problem — und damit eines, das wir gemeinsam lösen können. Die neue Plattform macht Gefahren sichtbar, schafft eine Datengrundlage für den Naturschutz und gibt jeder und jedem die Möglichkeit, aktiv zu helfen.
Auch im privaten Umfeld kann jede und jeder dazu beitragen, Vogelschlag zu vermeiden. Futterstellen sollten grundsätzlich nicht in unmittelbarer Fensternähe platziert werden. Bei Eckverglasungen kann eine Umgestaltung des Raums helfen, Durchblicke zu verhindern und Kollisionen zu reduzieren.
Vogel gegen Scheibe geflogen — was tun?
Vogel vorsichtig in einen dunklen Karton mit Luftlöchern setzen. Aus einem Handtuch ein Nest formen, damit der Vogel aufrecht sitzen kann. An einen ruhigen Ort stellen. Kein Futter und kein Wasser anbieten! Bei Gehirnerschütterung können Vögel nicht schlucken — es besteht Erstickungsgefahr. Kontaktieren Sie die Wildvogelhilfe: 0341 927 62 027
Vogelschlag melden
Nutzen Sie den neuen Vogelschlagmelder — Ihre Meldung hilft, Gefahrenstellen sichtbar zu machen.